Kapitel 1 von 0
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3. Vokale

Einführungstext

Lange und kurze Vokale

Im Deutschen gibt es einige Vokale in kurz und lang. In den meisten Fällen ist der Unterschied zwischen den “kurzen” und “langen” Vokalen nicht nur ein Unterschied in der Dauer des Vokals. Die langen Vokale werden auch oft mit mehr artikulatorischer Spannung gesprochen.

Mehr Spannung bedeutet:

– Die Zunge wird weiter nach vorne gedrückt für langes “ih”, “üh”, “eh” oder “öh”; die Zunge wird weiter nach hinten gezogen für langes “uh” oder “oh”.

– Die Lippen werden stärker gerundet für langes “uh”, “oh”, “üh” oder “öh”.

– Die Lippen werden mehr gespreizt für langes “ih” und “eh”.

Diesen Unterschied kann man auch hören – die kurzen Vokale klingen oft anders als ihre langen ‘Partner’.






Hinweise auf die Dauer von Vokalen
Sie haben bereits den Unterschied zwischen kurzen und langen Vokalen in Modul 5 kennengelernt.
Jetzt stellen wir uns die Frage: Sieht man am geschriebenen Wort die Dauer des Vokals?
Antwort: Nicht immer. Aber manchmal zeigt uns die Orthographie die Vokaldauer.

Welche Hinweise gibt uns die Orthographie auf die Vokaldauer?

Langer Vokal:

  • Der Vokalbuchstabe wird doppelt geschrieben (“ee”, “oo”, “aa”): Staat, Tee, Kaffee
  • “ie”: nie, viel, anprobieren, Beispiel
  • Nach dem Vokal steht ein “h”: stehen, Schuh, sehr, zahlen
    Wichtig: Das “h” wird nicht gesprochen!
  • Nach dem Vokal steht “ß”: Größe, groß

Kurzer Vokal:

  • Nach dem Vokal steht ein Doppelkonsonant: Kasse, passen, Herr, gefallen, hell, immer, dünn, Rolltreppe
  • Nach dem Vokal steht “ck”: schick, dick, Strickjacke, Stockwerk
  • Nach dem Vokal steht “tz”: Mütze, Satz


Die deutschen i-Vokale

Es gibt im Deutschen zwei i-Vokale:

  1. einen langen i-Vokal
  2. einen kurzen i-Vokal

Wie bei anderen deutschen Vokalen wird der lange i-Vokal mit mehr artikulatorischer Spannung gesprochen; der kurze i-Vokal hat weniger Spannung.

Mehr Spannung bedeutet:

  • Die Zunge wird weiter nach vorne gedrückt für langes “ih”.
  • Die Lippen werden mehr gespreizt für langes “ih”. (gespreizte Lippen: ähnlich wie Lächeln)

Diesen Unterschied kann man auch hören – zum Beispiel in den folgenden Komposita:

In diesem Block haben Sie Adjektive mit den Endungen “-iv” und “-isch” gelernt.

In “-iv” ist der i-Vokal lang; in “-isch” ist der i-Vokal kurz.

Manchmal zeigt die Orthographie, ob der Vokal lang oder kurz ist:

Langer/kurzer VokalOrthographieBeispiel  
lang:“ih”ihr, ihn
 “ie”Dienstag, Miete
kurz:“i” + Doppelkonsonant (“nn”, “tt”, “ss”…)Mitte, gewinnen
 “i” + “ck”Trickfilm, schick

Aber Vorsicht: Nicht immer wird “ie” als langer i-Vokal gesprochen:


Vokalneueinsatz (Knacklaut) 

Hören Sie sich bitte die folgenden Sätze genau an. Sie hören jeden Satz zweimal. Achten Sie besonders auf die markierten Stellen. Welcher Satz hat die richtige deutsche Aussprache?

In den Sätzen sind zum Beispiel die Vokale am Anfang von Wörtern markiert. Wörter, die mit einem Vokal beginnen, werden nicht mit dem Wort davor verbunden. Sie werden davon abgetrennt. Man nennt das “Vokalneueinsatz” oder “Knacklaut”.

Das geschieht auch in einem Wort, wie in den zusammengesetzten Wörtern Ausländer-amt oder Staats-angehörigkeit

Weitere Beispiele: zusammengesetzte Verben und Adjektive, wie be-antragenge-öffnet.

Hören Sie einige Beispiele:



Die deutschen e-Vokale

Der Buchstabe “e” klingt im Deutschen nicht immer gleich:

  1. Langer e-Vokal – Der Mund ist nur wenig geöffnet.
    Beispiele: “Tee” oder “sehen”
  2. Kurzer e-Vokal – Der Mund ist etwas weiter geöffnet.
    Beispiele: “Wetter” oder “jetzt”
  3. Kurzer und immer unbetonter Vokal (“Murmelvokal” oder “Schwa” genannt)
    Beispiele: “bitte“, “habe” oder “gesagt”

Hinweis: In Modul 7 (Kapitel 1) haben Sie schon gelernt, dass man das “e” manchmal gar nicht spricht – wie zum Beispiel in den Wörtern “suchen”, “arbeiten” oder “schreiben”.

Beschreibung der Aussprache:

  1. Langer Vokal (“Tee”, “sehen”):
    Die Zunge ist vorne im Mund und der Mund ist leicht geöffnet.
    Die Lippen sind leicht gespreizt (wie bei dem “i”).

Tipp: Der Mund ist etwas weiter geöffnet als bei “i”, aber etwas weniger als bei dem kurzen “e”; der Vokal liegt zwischen dem “i” und dem kurzen “e”.

2. Kurzer Vokal (“Wetter”, “jetzt”):
Der Mund ist offener als bei dem langen “eh”.
Die Lippen sind nicht so stark gespreizt.

3. Kurzer und immer unbetonter Vokal Schwa / Murmelvokal (“bitte”, “habe”, “gesagt”):
Die Zunge liegt in der Mitte des Mundes.
Die Lippen sind sehr wenig gespreizt.




Aussprache von “e”

Wird der Buchstabe “e” immer gleich ausgesprochen?
Sie wissen schon: Nein, es wird nicht gleich ausgesprochen.

Folgende Möglichkeiten kennen Sie:

  1. Langer eh-Vokal: Der Mund ist nur wenig geöffnet.
  2. Kurzer e-Vokal (auch als “ä” geschrieben): Der Mund ist weiter geöffnet.
  3. Kurzer “Murmelvokal”, Schwa: Der Mund ist nur etwas geöffnet; die Zunge liegt in der Mitte des Mundes. Das Schwa kann nicht in betonten Silben vorkommen.
  4. Manchmal wird “e” gar nicht gesprochen: In den Endungen “-en” und “-el” kann es zum Beispiel wegfallen.

Sehen Sie sich den Unterschied der Öffnung des Mundes zwischen einigen deutschen Vokalen an:

Langer i-Vokal:

Langer e-Vokal:

Kurzer e-Vokal (= “ä”):

A-Vokal:




Der Schwa-Vokal (“Murmelvokal”)

Sie haben bereits gelernt, dass der Buchstabe “e” sehr unterschiedlich ausgesprochen wird.

  • Eine Variante ist ein sehr kurzer und reduzierter Vokal, bei dem die Zunge in der Mitte des Mundes liegt. Dieser Vokal ist immer unbetont.

    Man nennt ihn “Schwa”, manchmal auch “Murmelvokal” (murmeln: nicht sehr deutlich sprechen).
  • Wir haben auch schon gesagt, dass in den Endungen “-en” oder “-el” dieses Schwa oft gar nicht gesprochen wird.

In diesem Modul werden (1) und (2) noch einmal wiederholt:




Im Deutschen gibt es einen Vokal, der nur in Silben vorkommt, die nicht betont sind. Man nennt diesen Vokal manchmal “Murmelvokal” (oder “Schwa”). Er wird als “e” geschrieben.

Beispiele:

– bitte, Tage
– gesagt, geschrieben
– Bewerbung, Beschäftigung

Viele deutsche Wörter enden auf “-en”; zum Beispiel: suchen, studieren, arbeiten, Unterlagen, Anschreiben, Stellen, Bewerbungen. Auch hier ist das “e” ein Murmelvokal. Oft wird in dieser Endung aber das “e” gar nicht gesprochen.

Beispiele:

– suchen = suchn
– arbeiten = arbeitn
– Anschreiben = Anschreibn
– Unterlagen = Unterlagn

Nach “b” und “p” wird das “n” oft als “m” ausgesprochen: leben > lebn > lebm

In dieser Übung üben Sie die Aussprache solcher Wörter.

Bitte hören Sie ganz genau hin und sprechen Sie nach:

  • suchen
  • abschließen, abgeschlossen
  • anrufen
  • Leben
  • Lebenslauf
  • unterschreiben
  • Anschreiben
  • arbeiten
  • Unterlagen


Die deutschen o-Vokale

Wie werden die deutschen o-Vokale gesprochen?

  • Die Zunge ist hinten im Mund.
  • Die Lippen sind gerundet.
  • Der Mund ist etwas weiter geöffnet als bei “u”.

Was ist der Unterschied zwischen dem kurzen und dem langen o-Vokal?

  • Bei dem kurzen o-Vokal ist der Mund etwas weiter geöffnet als bei dem langen “oh”. Die Zunge liegt weiter unten im Mund.
  • Bei dem kurzen o-Vokal sind die Lippen weniger stark gerundet als bei dem langen “oh”.
  • Allgemein gilt: Der kurze Vokal wird mit weniger Spannung artikuliert. Deshalb ist die Lippenrundung geringer und die Zunge weiter unten im Mund.


ö-Vokale

Wie werden die deutschen ö-Vokale gesprochen?

Die Lippen sind gerundet, wie bei “o“.
Die Zunge ist vorne im Mund, wie bei “e“.

Wie können Sie die ö-Vokale üben?

Kurzes “ö“: Sprechen Sie ein “ä” und runden Sie dann die Lippen dazu.
Vorsicht: Die Zungenposition ändert sich nicht!
Langes “öh“: Sprechen Sie ein langes “eh” und runden Sie dann die Lippen dazu.
Vorsicht: Die Zungenposition ändert sich nicht!




Die deutschen u-Vokale

Der Vokal “u” wird hinten im Mund artikuliert, genau wie der Vokal “o”. Der Mund ist nur wenig geöffnet und die Lippen sind gerundet und vorgestülpt. 

Bei dem langen u-Vokal sind die Lippen stärker gerundet als bei dem kurzen u-Vokal. Außerdem ist die Zunge bei dem langen u-Vokal weiter hinten im Mund.

Der u-Vokal ist dem ü-Vokal ähnlich. Der einzige Unterschied zum “ü” ist: Bei “u” ist die Zunge hinten im Mund, bei “ü” wird sie nach vorne geschoben.





ü-Vokale
Wie werden die deutschen ü-Vokale gesprochen?

– Die Lippen sind gerundet, wie bei “u”.
– Die Zunge ist vorne im Mund, wie bei “i”.

Wie können Sie die ü-Vokale üben?

– Kurzes “ü”: Sprechen Sie ein kurzes “i” und runden Sie dann die Lippen dazu.
Vorsicht: Die Zungenposition ändert sich nicht!
– Langes “üh”: Sprechen Sie ein langes “ih” und runden Sie dann die Lippen dazu.
Vorsicht: Die Zungenposition ändert sich nicht!



ü-Vokale

Sie haben schon gelernt, wie man die ü-Vokale ausspricht. Wir wiederholen hier noch einmal die Aussprache von “ü”:

  • Die Lippen sind gerundet, wie bei “u”.
  • Die Zunge ist vorne im Mund, wie bei “i”.

Hinweis: Bei den ö-Vokalen ist der Mund etwas weiter geöffnet als bei den ü-Vokalen.




Die deutschen Diphthonge
Diphthonge (Doppelvokale) bestehen aus zwei Vokalen.
Es gibt im Deutschen drei Diphthonge:

DiphthongAnfangsvokalZiel-Vokal
1. “ei”:“a”kurzer, offener i-Vokal wie in bitte oder ist (eventuell ist der Mund sogar noch etwas offener)
2. “au”:“a”kurzer, offener u-Vokal wie in Mutter oder Kunde
3. “eu” = “äu”:kurzer, offener o-Vokal wie in offen oder Tochterkurzer, offener i-Vokal wie in bitte oder ist (die Lippen sind eventuell ein wenig gerundet)

Beispiel-Wörter:
“ei”: Ei, sein, schreiben, arbeiten, weiß
“au”: aus, auswählen, Frau, kaufen, Hausaufgabe
“eu”/”äu”: euch, Deutsch, freundlich, Gebäude, Verkäufer

Wichtig: Es werden nicht zwei Vokale hintereinander gesprochen. Die Zunge bewegt sich fließend von dem ersten Vokal zum zweiten Ziel-Vokal.